bei Freudenstadt

Wirtschaft im Christophstal

Heute ist das Christophstal ein beschauliches Tal am Rande der Kernstadt von Freudenstadt. Doch das war nicht immer so. Bergbau und Industrie prägten lange Jahre das Tal, das auch wirtschaftlich mit dem angrenzenden Friedrichstal verbunden war.

Manch' ein Wohngebäude steht an einer Stelle, an der in früheren Zeiten produziert wurde, viele Häuser sind von oder für die Arbeiter der Betriebe gebaut worden: Laborantenhäuser und kleinere Privathäuser. Nicht jedem sieht man das Alter an, ein Teil wurde anstelle der alten Gebäude errichtet.

Ursprüngliches Gewerbe war der Bergbau, der auch heute noch mit einem inaktiven, aber betriebsbereiten Stollen im Tal vertreten ist. Die Erze wurden im Tal verhüttet, in Hammerwerken weiterverarbeitet. Auch Waffen wurden im Tal produziert - in der "Papiermühle Haas" von der Königlich Württembergischen Gewehrfabrik, die dann nach Oberndorf abwanderte und in den Mauserwerken aufging...

Manch eine Nutzung des Betriebes änderte sich: Aus Hämmern wurden Getreidemühlen, Textilbetriebe, Sägewerke, ein Spielplatz...

Die Beschreibung des Oberamtes von 18581 teilt die Betriebe nach ihrer Lage in 3 Gruppen. Die erste liegt beim Talwirtshaus. Unterhalb von diesem werden 2 Sägemühlen und dann die Vordere Mühle angegeben. Oberhalb des Wirtshauses liegen die Mittlere Mühle (Haas'sche Mühle), die Hintere Mühle, weiter aufwärts 2 weitere Sägemühlen, dann die Schnakenlochmühle und eine weitere Sägemühle.

Die 2. Gruppe beim Forstamtsgebäude (heutiges Gasthaus Bad) umfaßt die Woll- und Flachsspinnerei Münster, das Forstamtsgebäude, dann eine Sägemühle, an die eine Schleifmühle angebaut ist (heute ehem. Feilenhauerei Bührle), eine Sägemühle, die Schwerspatmühle Wagner, an der eine Sägemühle angebaut ist (vermutlich Haus Kitzlinger), die Brudermühle (ehemaliger Kupferhammer) und eine Tuchwalke (heutige Walke).

Die dritte Gruppe umfaßt den Unteren Pfannenhammer, das Platzmeisterhaus mit einem Laborantenhaus und den Wilhelmshammer mit einem Walzwerk.

Bei allen Gruppen stehen auch Wohn- und "Ökonomiegebäude".

Betrieben wurde das "Hüttenwerk Christophstal" meistens vom Staat, das heißt vom jeweiligen Herzog, später König. Zeitweilig war es aber auch verpachtet. 1680-1687 an  Christoph Wöllper und Michael Kohlmann2, 1688-1691 von Johann Nikolaus Jacquin und Johann Brandhofer3,1764-1770 an Johann Georg Blezinger4, 1770-1788 an Hofrat Hegelin5, 1788-1797 an Rat Kornbeck aus Calmbach5.

Heute ist das Hämmern und Pochen verstummt, die Feuer der Schmelzen und Schmieden sind erloschen. Die Hammerwerke sind abgebaut - teilweise auch abgerissen. Säge- und Getreidemühlen arbeiten nicht mehr, die Textilfertigung ist verschwunden. Abgesehen von einigen wenigen Selbstständigen gibt es keine Betriebe mehr im Christophstal, die noch produzieren. Aus der industriellen Keimzelle Freudenstadts ist eine Wohnsiedlung geworden.

Diese Seiten sollen auch unser industrielles - und damit kulturelles - Erbe am Leben erhalten und über die Geschichte informieren.

Quellen:

  1. Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt, Königlich Statistisch-topographisches Bureau, 1858, S. 156ff
  2. Manfred Thier, Geschichte der schwäbischen Hüttenwerke 1365-1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, Aalen und Stuttgart 1965, S. 163f
  3. Schuler, Das Christophsthal und Friedrichsthal, 1809, S. 111; Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt, Königlich Statistisch-topographisches Bureau, 1858,1858, S. 79
  4. Schuler, Das Christophsthal und Friedrichsthal, 1809, S. 132; Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt,Königlich Statistisch-topographisches Bureau, 1858, S. 161; Manfred Thier, Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke1365-1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, Aalen und Stuttgart 1965, S. 294
  5. Schuler, Das Christophsthal und Friedrichsthal, 1809, S. 132; Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt,Königlich Statistisch-topographisches Bureau, 1858, S. 161; Manfred Thier, Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke1365-1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, Aalen und Stuttgart 1965, S. 299
  6. Schuler, Das Christophsthal und Friedrichsthal, 1809, S. 132; Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt,Königlich Statistisch-topographisches Bureau, 1858, S. 161; Manfred Thier, Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke1365-1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, Aalen und Stuttgart 1965, S. 299

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