bei Freudenstadt

Rennofen im Museum Erzpoche Hausach
Rennofen im Museum Erzpoche Hausach

Die älteste Methode, Eisenerz zu verhütten, ist das Rennfeuer oder Rennofen. Diese Methode ist schon bei den Kelten vor 2500 Jahren verwendet worden (Schnaizteich bei Neuenbürg/Schwarzwald). Seinen Namen erhielt der Rennofen dadurch, daß die Schlacke aus dem Ofen rann.

Agricola beschreibt einen Rennofen folgendermaßen1:

Eisenerze von besonderer Güte werden in einem Ofen verschmolzen, der einem Treibofen nicht unähnlich ist. Der Herd ist 3 ½ Fuß hoch und je 5 Fuß lang und breit. In der Mitte besitzt er eine Vertiefung (Tiegel) von 1 Fuß Tiefe und 1 ½ Fuß Durchmesser. Er kann aber auch höher oder niedriger und weiter oder enger sein, je nachdem, ob aus einem Erze viel oder weniger Eisen entsteht.

Agricola beschreibt auch, wie am Rennofen gearbeitet wird2:

Dem Meister wird eine bestimmte Menge Eisenerz überwiesen, aus dem er mehr oder weniger Eisen erschmelzen kann. Wenn er zu diesem Zwecke sein Werk und seine Arbeit beginnt, wirft er zunächst Holzkohlen in den Tiegel und streut dann über diese eine eiserne Schaufel voll zerkleinertes Erz, gemischt mit Kalk, der noch nicht im Wasser gelöscht worden ist. Dann gibt er wiederum Kohlen auf und streut Erz darüber und wiederholt das so lange, bis er einen schwach ansteigenden Haufen gebildet hat. Diesen schmilzt er, indem er die Kohlen anzündet, den Wind aus den Blasebälgen, die sorgfältig in eine Düse eingelagert sind, anläßt und so das Feuer kräftig anfacht. Die Arbeit kann in 8 Stunden beendet sein, manchmal aber auch erst in 10 oder 12 Stunden. Damit ihm die Glut das Gesicht nicht verbrenne, wie es leicht geschehen kann, bedeckt er es vollständig mit einer Filzkappe mit Löchern, durch die er hindurchsehen und atmen kann. An dem Herd befindet sich eine Stange, die er, sooft es erforderlich ist, anhebt, wenn entweder die Blasebälge zu starken Wind geben, oder wenn er selbst weiteres Erz und Kohle aufgibt, oder wenn er die Schlacken abzieht.  Durch dieses Anheben wird die Öffnung des Gerinnes geschlossen oder verschieden weit geöffnet, durch welche das Wasser auf das an der Welle sitzende , die Blasebälge antreibende Rad fließt. In dieser Weise schmilzt er das Eisen und kann, wenn das Eisenerz reich war, eine Menge im Gewicht von 2-3 Zentnern erzeugen. Nunmehr öffnet der Meister mit einem Stecheisen den Stich für die Schlacke; nachdem sie vollständig abgeflossen ist, läßt er den Eisenklumpen (die Massel) im Tiegel erstarren. Er selbst und seine Gehilfen heben ihn sodann mit eisernen Brechstangen aus dem Ofen heraus, werfen ihn auf die Hüttensohle , bearbeiten ihn mit Holzhämmern, deren Stiele dünn, aber 5 Fuß lang sind, schlagen die noch an ihm hängenden Schlacken ab und verdichten und schlagen in so zugleich etwas breit. Denn wenn man ihn sofort auf dem Amboß legen  und mit dem großen eisernen Hammer ausschmieden wollte, der von dem Daumen einer Wasserradwelle angetrieben wird, würde er zerspringen. Bald darauf aber wird er mit Zangen gefaßt und unter dem Hammer mit einem zugeschärften eisernen Meißel in 4 oder 5 oder 6 Stücke, je nachdem er klein oder groß war, zerteilt.

1618 erließ Herzog Friedrich Johann eine Zunftordnung, in der auch Regeln für den Betrieb des Rennofens gegeben wurden3:

Er solle auch täglich weniger nicht wohl aber mehr und sonderlichen an Sommertagen 4 Simri Flauden durchrinnen und die Luppen zue allerhand bestimmter notwendiger Gattung usschmieden, auch solle er uff ein jedes Simri Flauden mehr mit denn ein Zuber Kohlen oder uff mehisten uff 4 Simri Flauden 5 Zuber Kohlen verbrauchen. Und wenn dann der Hammerschmied die Luppen zue Rad-, Stab-oder ander Gattung Eisen usschmieden will, soll er in allweg dahin sehen, dass solches mit gutem Fleiss geschehe.

Flauden ist der Zunder, der beim Schmieden von Eisen abspringt.

Beim Rennofen wird das Erz bei Temperaturen von bis zu 1200 Grad (wikipedia: bis 1100-1350 °C) zu Eisen verhüttet. Dabei ist das Eisen noch teigig bis zähflüssig. Die Holzkohle hat im Rennofen zwei Aufgaben: Durch das Verbrennen der Holzkohle wird Energie freigesetzt, mit der der Ofen betrieben wird. Gleichzeitig dient die Holzkohle aber auch als Zusatzstoff zur Reduktion des Eisens. Die Ausbeute betrug weniger als 50% des Eisens im Erz, teilweise auch nur 20%.

Im Christophstal hat es wohl 2 Rennöfen gegeben – einen im Streckhammer und wohl auch noch einen im Oberen Großhammer. Sie wurden mit Zunder/Hammerschlag und Alteisen betrieben.

Im Abrechungsjahr 1835/36 fielen noch 939 Zentner Renneisen an4.

Quellen

  1. Agricola, Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen (De re metallica), 1556, VDI-Verlag GmbH, Berlin 1928 Neuntes Buch, S. 364
  2. Agricola, Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen (De re metallica), 1556, VDI-Verlag GmbH, Berlin 1928 Neuntes Buch, S. 364ff
  3. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.45
  4. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.106

Photo: Gänßler

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