bei Freudenstadt

Unterer Großhammer oder Wilhelmshammer

Der Untere Großhammer wird zum ersten Mal in der Jahresrechnung 1660/1661 erwähnt, aus der Philipp Heinrich Schuler in seiner Beschreibung vom Christophstal und Friedrichstal zitiert.1 Er war in dem Jahr mit 2 Feuern zum Frischen von Eisen zur Herstellung von Stabeisen erstellt worden.2

Bei der Übergabe der Werke vom Pächter Wölper an die neuen Pächter Jaquin und Brandhofer im Jahre 1688 wurde ein Übergabeprotokoll erstellt, wo der Untere Großhammer erwähnt wird. Zu dieser Zeit hat er 1 Läuterfeuer, ein Hammerfeuer und 2 Aufwerfhämmer.3

1743/44 wird zur Unterbringung der Schmiede ein Laborantenhaus mit 4 Wohnungen errichtet.4 Ein weiteres mit 5 Wohnungen ist zu einem (noch) unbekannten Zeitpunkt errichtet worden, dadurch standen 9 Wohnungen für die Laboranten zur Verfügung.

1749 wurde das Werk vom Hofrath Stahl besichtigt.  Er berichtet darüber unter anderem in Schrebers Neuen Kameralschriften5:

Von den beiden Hammergebäuden hat jedes 2 Feuer und einen Hammer, man schmiedet darinnen bey Frischfeuern, welche etwas weiter sind als die Ludwigsthaler, hingegen sind sie noch nicht so weit, als die zu Königsbronn.

Auch zu der Arbeit äußert sich Stahl6:

Die Arbeit wird Sonntag Nachts um 12 Uhr angefangen und bis den Samstag Morgens damit fortgefahren. Bey jedes Feuer gehören 3 Mann so sich einander ablösen, dergestalt, dass immer 2 in Arbeit stehen, und wann einer 12 Stunden gearbeitet: so hat er dagegen  6 Stunden Ruhe.

Und zur wirtschaftlichen Seite7:

Man bezahlet ihnen vom Zentner geschmiedet Eisen 24 Krz. von 125 Pfund Gusseisen müssen sie einen Zentner oder 104 Pfund geschmiedet Eisen liefern und darauf werden ihnen 2 Zuber Kohlen gegeben.

45 = Laborantenhaus
46 = Bachhaus
47 = Hüttenknachtshaus
48 = Unterer Großhammer
49 = Materialkammer
50 = Kohlscheuer

Für 1811 gibt Müller an, wie groß die Belegschaft des Hammers ist. Hier arbeiten 2 Meister und 7 Gesellen8.

1825 muß der Untere Großhammer abgerissen werden. An seiner Stelle wird eine neuer Hammer errichtet, der 10 Fuß lang und 40 Fuß breit war. In dem Gebäude wurden 3 Frischfeuer und 2 Schwanzhammergerüste aufgestellt, die mit je einem Groß- und einem Kleinhammer ausgestattet waren Jedes Gerüst hatte ein Wasserrad mit Wellbaum. Für die Luft, die die Frischfeuer benötigten, wurde ein Kastegebläse aufgestellt. Die Kosten von 30 699 Gulden und 40 Kreuzer werden teilweise durch Privatpersonen aufgebracht9.

Am 20. Januar 1826 nach dem damaligen württembergischen König Wilhelm benannt wird:  Er heißt bis zu seinem Ende Wilhelmshammer10.

1834/35 bekommt er eine neue Kohlscheuer. Dabei wird Material verwendet, das aus der Unteren Silberschmelze stammt, die abgerissen wurde11.

 

Im Jahr vor der Wiedervereinigung der Werke 1835/36 waren 2 Meister und 6 Gesellen beschäftigt.12

Während die oberen Werke ab 1835 aufgegeben und verkauft wurden, wird der Wilhelmshammer ab 1837 vergrößert und erweitert13:

  • Es wurde ein Kleineisenwalzwerk mit 2 Paar Walzen aufgestellt, mit dem Zaineisen günstiger hergestellt werden konnte. Das Walzwerk wird mit einem 21 Fuß hohen Wasserrad, das 5 Fuß breit ist. Der Trieb am Wellbaum des Wasserrades hat einen Durchmesser von 14 Fuß. Das Getriebe des Vorgelegewellbaumes hat noch 3,5 Fuß Durchmesser. An dem Vorgelegewellbaum sitzt auch der Daumenkranz für den Zainhammer und ein 10 Fuß hohes Triebrad, das die Walzen über ein 2,5 Fuß hohes Getriebe antreibt.
  • Das Gefälle wurde auf 22 Fuß erhöht, indem der Ablaufgraben5 Fuß tiefer gelegt,der Wasserkasten um 1 Fuß erhöht.
  • Anstelle der alten Feueressen werden 2 neue Frischfeuer mit Glühofen errichtet.
  • Bei beiden Feuern werden eiserne Hammergestelle mit 14 Fuß hohen Wasserrädern aufgestellt.
  • Für die Erzeugung des Windes wird ein doppeltwirkendes Zylindergebläse in einem Gebläsehaus aufgestellt. Das Gebläsehaus ist 26 Fuß lang und 15 Fuß breit. Angetrieben wird das Gebläse von einem 20 Fuß hohen Wasserrad.
  • Beim oberen Feuer wird ein zusätzlicher Holzdarrofen aufgestellt.
  • Das untere Frischfeuer bekommt eine Einrichtung, mit dem die Zuluft kreuzend auf das Feuer geleitet wird.

In diesen Umbau wurden 25 897 Gulden 40 Kreuzer investiert. Er dauerte bis 1840.

Zusätzlich mußten die Arbeiter mit der neuen Technik vertraut gemacht werden. Dazu gehen die Hammerschmiede Ferdinand Graf und Tobias Grammel für 288 Tage in das Hammerwerk Unterkochen, Gotttried Weber und Friedrich Honecker für 68 Tage nach Unterkochen und für 254 Tage ins Hüttenwerk Königsbronn14. 1839 gingen dann die Kleinschmiede Martin und Karl Kantlehner nach Unterkochen, um sich mit der Walzarbeit vertraut zu machen15. Von Unterkochen wird der Walzarbeiter Friedrich Kallenberger für den Zeitraumvom 1. November 1840 bis 27. März 1841 in den Wilhelmshammer delegiert16. Zur Wartung der Anlage wird 1841 der Mechaniker Georg Kade eingestellt17.

Leider konnte der Hammer nicht immer voll ausgelastet werden. So finden wir bei Müller den Hinweis, daß im Wilhemshammer 1849/1850 nur ein Frischfeuer in Betrieb wäre – und das schon seit einigen Jahren18.

1858 wird provisorisch ein Frischfeuer in ein Rohstahlfeuer umgebaut. Dabei stellt sich heraus, daß eine Windquelle zur Rohstahlerzeugung ausreichend ist19.

1860 wird wieder am Wilhelmshammer gebaut. Diesmal wird das Zulaufgerinne des Walzwerkes 1,5 Fuß höher gelegt, wodurch das Wasserrad 1 Fuß höher eingebaut werden konnte. Dadurch lief es unten nicht mehr im Wasser. Außerdem wurde es um 1,5 Fuß verbreitert. Zusätzlich wurde ein Sammelteich angelegt, der Schwankungen beim Wasserzulauf ausglich. Daneben wurden einige weitere Ausbesserungen vorgenommen. Am 21. Oktober nahm der Hammer wieder seinen Betrieb auf. Bei diesem Umbau sind 3538 Gulden 48 Kreuzer investiert worden20.

Leider hielt die Freude darüber nicht lange. Am 31. Januar 1862 kam es im Forbach zu einem starken Hochwasser, bei dem das Wehr zerstört und ein Teil des Zulaufkanals beschädigt wurde21.

1861 wurde auch für die Laboranten des Hammers gebaut. Es wurde ein neues Haus mit 6 Wohnungen errichtet, das allerdings das sogenannte „Alte Laborantenhaus“ mit 5 Wohnungen ersetzte. Für dieses Haus wurden 11 811 Gulden und aufgewendet, wobei der Wert des alten verrechnet wurde, das für 579 Gulden 31 Kreuzer zum Abriß verkauft wurde22.

Zu diesem Haus gehörte auch - wie damals üblich - ein Stallgebäude.

1863 wurde der Wilhelmshammer wieder verändert. Das obere Hammergerüst wurde gegen eines mit einem Breit- und einem Zainhammer ersetzt. Im November 1863 konnte der Hammer wieder in Betrieb gehen23.

Die nächste Änderung ließ etwas auf sich warten: Ein Frischfeuer wurde 1872/1873 durch ein Raffinierfeuer ersetzt, das aus dem Königshammer hierher versetzt wurde24.

Danach ging es langsam bergab. 1884/84 wird das letzte Frischfeuer stillgelegt, 1885/1886 das Walzwerk25.

1889/90 oder 90/91 wird das letzte Rohstahlfeuer aus dem Königshammer in den Wilhelmsammer umgesetzt26. Es stellt aber schon 93/94 den Betrieb weitgehend ein27.

Danach setzte der Abriß des Hammers mit seinen Nebengebäuden ein:

1902 wird die große Kohlscheuer zum Abriß verkauft28, 1904 der Hammer selber mit seinem Magazin und der kleinen Kohlscheuer29. 1905 wird das ältere der beiden Laborantenhäuser, das 4 Wohungen enthielt, zum Abriß verkauft30.

Heute ist dort ein Spielplatz, vom Hammerwerk zeugt nur noch der Mühlkanal und das Laborantenhaus, das 1861 gebaut wurde.

Rechts am Rand der Postkarte ist der Untere Großhammer oder Wilhelmshammer zu sehen.

Quellen:

  1. Philipp Heinrich Schuler, Das Christophstal und Friedrichstal, 1808, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Schul, S. 99
  2. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Vorbachtal im Schwarzwald, Friedrichstal 1943 nach Manfred Thier, Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke 1365 - 1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, 1965, S. 161
  3. Manfred Thier, Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke 1365 - 1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, 1965,S. 166
  4. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, Friedrichstal 1943 , Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2 .Müll, S. 44
  5. Hofrat Stahl in Gottfried Schrebers Neue Kameralschriften, 4. Teil 1766 nach Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S. 53
  6. Hofrat Stahl in Gottfried Schrebers Neue Kameralschriften, 4. Teil 1766 nach Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S. 53
  7. Hofrat Stahl in Gottfried Schrebers Neue Kameralschriften, 4. Teil 1766 nach Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S. 53
  8. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.105
  9. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.105
  10. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.105
  11. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.106
  12. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.107
  13. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.173f
  14. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.178
  15. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.178
  16. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.178
  17. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.178
  18. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.183
  19. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.193
  20. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstad, Sig. Hd2.Müllt, S.193
  21. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.204; Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.214
  22. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.193
  23. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.221
  24. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.269
  25. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.273
  26. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.273f; Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.276
  27. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.274
  28. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.283
  29. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.282
  30. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2.Müll, S.282

Karten:

  1. Plan von der Herzoglich württembergischen Eisenfactorie Sankt Christophstal mit den oberen, unteren und neuen Werken (1778, Stadtarchiv Freudenstadt)

Ansichtskarte: Sammlung Gänßler

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