bei Freudenstadt

Oberer Großhammer

Die Planung des ersten Hammerwerkes im Christophstal fällt in die Jahre 1959-16001. Neben Heinrich Schickhard war auch Georg Beer beteiligt, der die Aufsicht hatte. Von Heinrich Schickhardt stammt der Grundriß mit einer Länge von 30 Schuh (8,55m) und einer Breite von 36,5 Schuh (10,4m)2. Zeitgleich wurde auch ein Schmelzhaus gebaut, das 46 Schuh lang und 40 Schuh breit war.3 Zusammen mit einem "Stahlkunstbau", einem stählernen Wehr im Forbach, hat der Bau nach einer Meldung des Bauverwalers Jakob Ziegler an den Herzog 8227 Gulden gekostet. 1000 Gulden würde er noch aufbringen müssen4.

Die Blasebälge und Hämmer von Schmiede und Schmelzhaus wurden von Wasserrädern angetrieben.

Schon früh wurde versucht, Stahl zu erzeugen. So zitiert Schuler einen Bericht des Untervogts und des Kellers von Freudenstadt aus dem jahr 1607:

Wir können Euer Fürstl. Durchlaucht unterthänigst nicht bergen,dass wir unser ringstem Verständnuss nach das Ausnehmen keinen Stahl erkennen,sondern uns gar zweifelhaftig gemacht.darumb wir auch begehret haben,jeder Gattung ein Stangen abzuschlagen und probieren zu lassen.so hat aber er D.Widmann,wie auoh der andere Mit Jnteressent (dessen Namen und Verrichtung unbekannt) solches keineswegs zugeben.wie auch kein Stück,gleich klein oder gross (E.F.D. unterthst .zu überschiken haben)verfolgen lassen wöllen,mit Fürgeben,dass es noch kein rechter Stahl (wie wir denn selbst dafür halten) sondern müste erst in der Führung gescheidet werden.item,es gehören noch mehr und andere Handgriffe dazu,und wehre,sonderlich der Zainhammer nicht fertig, könnten solchem unter dem Hammer in der Hammerschmittin nicht probieren, würde alles zu Fezn zerspringen,..."5

Um 1665 wurde der Obere Großhammer neu errichtet6.

Bei der Übernahme in die Selbstverwaltung 1799 wurde eine Übersicht der Gebäude erstellt. Damals war der Hammer mit "2 Frischfeuern und 1 Aufwerfhammer an einem 11 Fuss hohen Hammerrad und 2 Spitzblasbälgen
an je einem Wellbaum mit je einem 9 Fuss hohen Wasserrad" ausgestattet. Im Dachgeschoß gab es eine Wohnung, in der Laboranten untergebracht waren. Für die Holzkohle bestand dabei eine Kohlscheuer, die 1778 gebaut wurde7.

1835 wurde bei einer Konferenz, bei der es um die Wiedervereinigung der Werke Christophstal und Friedrichstal ging, beschlossen, die 3 oberen Hämmer stillzulegen und zu verkaufen8. Dem entsprechend wurde der Obere Großhammer mit Magazin und Kohlscheuer am 10. Mai 1839 für 6000 Gulden an den Kaufmann Münster verkauft und am 11. Mai 1839 stillgelegt.9

In dem Vertrag fand sich auch eine Klausel zur weiteren Nutzung:

"Käufer verpflichtet sich in Zukunft in den erkauften Realitäten weder ein Eisenwerk zu betreiben noch die Wasserkraft ganz oder teilweise zur Gründung eines neuen derartigen Etablissements zu verwenden oder abzugeben.  Derselbe macht sich ferner verbindlich, den Zuflusskanal oder Graben nebst dem Wasserkasten so herzustellen, das derselbe nicht mehr als 6 000 Kubikfuß Wasser aufstauen oder anschwellen kann, bis das Wasser über den Wehrraufeatz zu fliessen beginnt, damit die weiter talabwärts liesenden kgl. Eisenwerke nicht durch grössere Anschwellungen notleiden, sondern stets möglichst gleichen Zufluß erhalten."10

Münster richtet in dem alten Großhammer eine Tuchfabrik ein.

Quellen:

  1. Heinrich Schickhardt, S: Christofs thal. Eisen Schmitten., Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Sig. N 220 T 227 02, auch Thier, Die Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke 1365 - 1802, Verlag Heimat und Wirtschaft, 1965, S. 109
  2. Heinrich Schickhardt, Grundriß der Hammerschmiede, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Sig. N 220 T 227 04
  3. Heinrich Schickhardt, Grundriß der Schmelzhütte, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Sig. N 220 T 227 03
  4. Verzeichnis über die Einnahmen und Ausgaben von Jakob Ziegler, Bauverwalter, für den Eisenhammer und den Stahlkunstbau zwischen 1604 und 1606, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Sig. N 220 A 171 02
  5. Bericht des Untervogtes und des Kellers von Freudenstadt, v. 21.Jan.1607 nach Philipp Heinrich Schuler, Das Christophstal und Friedrichstal, 1808, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Schul, S. 58f
  6. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Müll, S. 73
  7. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Müll, S. 73
  8. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Müll, S. 168
  9. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Müll, S. 169; Kauf- und Tauschverträge der Staatsfinanzverwaltung über Grundstücke im Oberamt Freudenstadt, Staatsarchiv Ludwigsburg, E 328 Bü 278
  10. Hugo Müller, Die württembergischen Hüttenwerke im Forbachtal, 1943, Abschrift Stadtarchiv Freudenstadt, Sig. Hd2. Müll, S. 169

 Ansichtskarte: Sammlung Gänßler

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